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Das innere Bild, das Sie schon vor dem Tool steuert.

Bevor jemand KI zum ersten Mal benutzt, hat er bereits eine Meinung darüber. Diese Meinung entstand nicht beim ersten Workshop und verschwindet auch nicht durch eine gute Präsentation. Sie sitzt tiefer. Was Dr. Gerald Hüther über innere Bilder beschreibt, erklärt, warum so viele KI-Einführungen nicht an der Technologie scheitern.

Ich habe in einem Workshop einmal gefragt: Was sehen Sie vor sich, wenn das Wort KI fällt?

Die Antworten kamen schnell, und sie waren aufschlussreicher als jede Umfrage. Jemand sagte: eine Maschine, die meinen Job übernimmt. Jemand anderes: endlich weniger Routinearbeit. Eine dritte Person: ich weiß nicht, ob ich noch mithalten kann. Alle drei arbeiteten im selben Unternehmen. Alle drei hatten denselben KI-Workshop besucht. Und alle drei saßen mit einem vollkommen anderen inneren Bild im Raum.

Das klingt auf den ersten Blick nach einer Frage der persönlichen Einstellung. Es ist es nicht.

Was innere Bilder sind und warum sie so viel steuern

Dr. Gerald Hüther beschreibt innere Bilder als neuronale Aktivierungsmuster, die sich aus Erfahrungen herausgebildet haben, die kognitiv und emotional gleichzeitig bedeutsam waren. Sie sind keine bewussten Überzeugungen, die man einfach überdenken kann. Sie laufen im Hintergrund, lenken die Aufmerksamkeit, steuern, was jemand überhaupt wahrnimmt, wie er reagiert und was er für möglich hält. Je stärker eine Erfahrung emotional verankert war, desto tiefer sitzt das Bild, das daraus entstanden ist.

Wenn jemand in seinem Berufsleben erfahren hat, dass neue Technologien meistens bedeuteten, dass Stellen gestrichen wurden, trägt er dieses Bild mit in den ersten KI-Workshop. Er wird vielleicht mitarbeiten, vielleicht sogar interessiert wirken. Aber das alte Muster läuft. Und es filtert alles, was er dort hört, durch diese eine Linse.

Das Gehirn, schreibt Hüther, speichert keine Probleme. Es speichert Lösungen. Genauer gesagt: es speichert das, was irgendwann als Lösung funktioniert hat, auch dann noch, wenn die Situation längst eine andere geworden ist. Jemand hat gelernt, unter Druck zu schweigen, weil Schweigen irgendwann sicher war. Jemand anderes hat gelernt, sofort zu liefern, weil Schnelligkeit Anerkennung brachte. Diese Muster sind keine Schwächen. Sie waren irgendwann klug. Unter KI-Druck werden genau sie wieder aktiviert, lange bevor jemand bewusst entschieden hat, wie er reagieren will.

Was das für KI-Einführungen bedeutet

Viele KI-Implementierungen scheitern nicht am Tool. Sie scheitern an inneren Bildern, die niemand je angeschaut hat. Eine Präsentation über KI-Potenziale verändert das innere Bild von jemandem, der Angst hat, nicht. Information allein reicht dafür nicht. Was innere Bilder verändert, sind neue Erfahrungen, Erfahrungen, die emotional bedeutsam genug sind, um sich anders einzuschreiben als das alte Muster. Und Gespräche, die wirklich zuhören, können diesen Prozess anstoßen, weil sie etwas ermöglichen, das in den meisten KI-Workshops fehlt: den Raum, das auszusprechen, was wirklich da ist.

Was ich in meiner Arbeit mit Führungskräften gelernt habe: Es reicht nicht, Menschen neue Werkzeuge zu geben. Es braucht zuerst die Frage, welche alten Bilder sie mitbringen. Nicht um sie zu korrigieren, sondern um zu verstehen, was wirklich gebraucht wird, damit sich etwas verändern kann. Diese Frage ist keine therapeutische Übung. Sie ist eine Führungsaufgabe.